Kopf



P. Viktrizius
Weiß, Kapuziner


Außerordentliches Erlebnis

Zwei Jahre vor seinem Tod, als er nach den Wandlungsworten in der Messfeier plötzlich einmal innehielt, vernahmen die Ministranten, dass er laut sagte: "So, um zehn Uhr ist er gestorben." Die Umgebung war überzeugt, dass der Pater etwas Außerordentliches erlebt hatte. Bald stellte sich heraus, dass um die angegebene Stunde ein Studienkollege, ebenfalls Priester, gestorben war. Über dieses Ereignis äußerte er sich nie.
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Zeugenaussagen im Seligsprechungsprozess für P. Viktrizius Weiß

Aussagen von Zeugen im bischöflichen
Prozess zur Seligsprechung

"Ich habe bemerkt, dass er auch in meiner Gegenwart, als er meine Anwesenheit nicht merkte, immer für sich gebetet und mit Gott geredet hat. Überhaupt war sein Wesen immer in Gott vertieft". (163)

"Er hat überhaupt nicht viel geredet. Seine ganze Haltung war immer Sammlung in Gott. Was Gott wollte, das wollte auch er". (185)

Zu den Studenten: "Wenn ich ihre Predigten zu prüfen habe, dann bin ich Vorgesetzter und Lehrer, wenn ich aber ihre Predigt anhöre, dann bin ich ihr Zuhörer, also der Hörer des Wortes Gottes." (1412)

"Den Rosenkranz hielt er fast immer in der Hand. Dass er Maria liebte, geht schon daraus hervor, dass er sich das Kloster auf dem Mariahilfberg aussuchte, um dort seine letzten Lebensjahre zu verbringen." (458)

P. Cornelius Fries, Kapuziner, München

Obwohl P. Viktrizius Korrektor der Predigten für junge Ordensmitglieder war und als solcher meine Predigten in einer Woche ein und zweimal korrigiert hatte, hörte er sie knieend an, da dies eine Botschaft von Gott für ihn sei, so dass er kein Recht mehr habe, an der Predigt zu korrigieren.

Als Aufenthaltsort nach seinem abgelaufenen Provinzialat wählte er sich die Marienwallfahrt Vilsbiburg. Jedes Jahr machte er von dort eine Wallfahrt nach Altötting.
Sein Tag begann früh vier Uhr, eher als bei seinen Mitbrüdern. Bei der gemeinsamen Betrachtung sah ich, dass er meistens das Gesicht mit den Händen verdeckte und manchmal das Taschentuch benutzte, um die Tränen zu trocknen. Keinen Tag ließ er vergehen ohne Kreuzweg und Rosenkranz. Er schnupfte nicht und rauchte nicht. Nach seinen Dienstjahren als Provinzial trank er nur, wenn er im Gehorsam gemahnt wurde, ein Gläschen zu nehmen.
Häufig betonte er den Gedanken der heiligen Theresia, alle vier Wochen Zellenstöberung zu halten, ob sich nichts gegen die Armut vorfinde. Seine Zelle war immer reinlich und dürftig.

Geistlicher Rat Ludwig Schiele, Landshut

Pater Viktrizius war ein gewissenhafter Priester, ein Vorbild für uns Theologen und sehr eifrig in der Erfüllung seiner Pflichten, namentlich auch als Beichtvater. Er hat gewirkt aus ganzem Herzen, durchdrungen von dem, was er sagte.

Dass er die Erdengüter nicht geschätzt hat, schließe ich aus seinem Eintritt in den armen Kapuzinerorden; er hätte bei seinen hohen Kenntnissen eine entsprechende Stelle als Weltpriester anstreben können.

Jeder von uns konnte jederzeit zu ihm gehen und wurde mit Liebe von ihm aufgenommen. Meine Neigung zum Rationalismus machte mir zu schaffen. Ich ging zum Präfekten Dr.Anton Weiss. Ruhig hörte er mich an und sagte: Herr Kandidat, ich will nicht sagen Anathema sit ( d.h. Ich verurteile es), aber bedenken Sie, wenn jemand sich immer an der äußersten Linie eines Kreises bewegt, ist er in großer Gefahr, darüber hinauszukommen. Er sprach noch einiges, was ich nicht mehr weiß; aber diese Worte blieben mir haften bis zum heutigen Tag. Seinem Rat folgend wandte ich mich der Scholastik zu ...und fand die Ruhe der Seele wieder.

Ich habe der Überführung der Leiche vom Friedhof zur Mariahilf Kirche beigewohnt. Ich machte zufällig an dem Tag eine Wallfahrt nach Vilsbiburg und sah, wie die Vorbereitungen zur Übertragung in die Kirche getroffen waren. Ich wartete bis zum Abend und beteiligte mich. Es geschah nach dem gewöhnlichen Ritus einer Beerdigung. Ich sah, dass der Sarg nicht geöffnet wurde, aber vor der Hinabsenkung in die Gruft mit Bändern umwunden, welche dann versiegelt wurden. Ebenso wurde auch das Grab versiegelt. Obwohl die Zeit der Übertragung geheim gehalten wurde, hat sich doch viel Volk eingefunden.

Nach seinem Tod hat man im Kloster der Ursulinen in Landshut P. Viktrizius um seine Hilfe angerufen. Schwester Martha war am Rückenmark erkrankt, Ich selbst habe diese Schwester in ihrer Krankheit als Beichtvater besucht. Sie war vollständig gelähmt.

Plötzlich stand sie auf und konnte gehen. Im Kloster schrieb man diese Heilung der Fürsprache des P. Viktrizius zu. Der Arzt meinte, es habe sich im Rückenmark wieder ein Knorpel eingefügt.

Pfarrer Sebastian Obermeier, Eberspoint

Mir kam es so vor, sein ganzes Leben war übernatürlich, als ob er nicht mehr auf Erden weilte. Einmal habe ich ihn beobachtet, wie er den Kreuzweg im oberen Oratorium in Vilsbiburg, neben der Sakristei, gebetet hat. Ich glaube, er war bei der VI .Station, da sah ich, er zitterte am ganzen Leib, die Hände hatte er krampfhaft geschlossen gegen das Stationsbild gerichtet, sein Antlitz war feuerrot und verklärt. Dabei fing er zu schweben an und hob sich ungefähr 15 Zentimeter vom Boden empor. Das kann zehn bis zwanzig Sekunden gedauert haben. Ich habe in dieser Zeit wiederholt hingesehen und mich überzeugt, dass er wirklich schwebte. Ich blieb im Oratorium bis er den Kreuzweg zu Ende gebetet hatte. Während der ganzen Andacht war er so in sich vertieft, dass er mich nicht beobachtete, obwohl ich nur ein paar Meter von ihm entfernt war. Ich habe schon mehrere Jahre vor seinem Tod bemerkt, dass sein Körper immer mehr der Auflösung entgegen ging, er war abgemagert bis zum Skelett. Auch sein Antlitz zeigte die Spuren der kommenden Auflösung. Ich war zehn Jahre lang Krankenhaus Seelsorger, habe aber einen solch verfallenen Körper bei keinem Kranken gesehen, wie ihn P. Viktrizius noch umher schleppte. Er selbst sprach nie ein Wort von seiner Krankheit, noch von einem Schmerz.

Als ich die Nachricht von seinem Tod erhalten habe, begab ich mich zur Beerdigung nach Vilsbiburg. Ich ging zur Kapelle, wo der Leichnam lag. Ich fand denselben vollständig verändert, von einer Entstellung keine Spur mehr, der Leichnam war wie verklärt.

Pater Cosmas Behr, Kapuziner, Eichstätt

In der Zeit, da ich mit P. Viktrizius beisammen war, hat er für irdische Güter und Angelegenheiten wenig Interesse gezeigt. Was wir ihm wegen Blindheit vorzulesen hatten, waren immer Gegenstände religiöser Art. Er war allem Irdischen völlig abgestorben. Trotz seiner glänzenden Aussichten, welche ihm die Welt infolge seiner Talente und seiner wissenschaftlichen Befähigung bot, hatte er alles verlassen und den Orden des heiligen Franziskus gewählt, und diese Gesinnung war in ihm bis in die letzten Lebensjahre vorherrschend.

Sein starkes Gottvertrauen äußerte er oft in Stoßgebeten, die er, weil er selbst nicht gut hörte, ziemlich laut sprach. So betete er oft: "Von meiner Schwachheit fürchte ich alles, von deiner Güte hoffe ich alles. Herz der Liebe, auf dich setze ich all mein Vertrauen. Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich. "

Bei der gemeinsamen Mahlzeit oder bei der Rekreation (Erholungszeit) konnte man beobachten, wie er gebetet oder sein Herz zu Gott erhoben hat.



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